Als Kind hätte ich wohl nie gedacht, dass ich mein Leben heute so führe, wie ich es führe. Als Kind war mein Plan, dass ich mit 19 Jahren Mutter und verheiratet bin.
Und das lag daran, dass meine eigene Mutter so alt ist. Mit 33 fing sie an Kinder in die Welt zu setzen – ich war das erste von vieren. Die Mütter meiner Freundinnen waren schon über zehn Jahre früher dabei ihre Familienplanung beinahe schon abzuschließen. Mich hat es angekotzt, dass alle so junge Mütter hatten und meine so alt ist. Einige meiner Kollegen, die mehr als zehn Jahre älter sind als ich, haben jüngere Eltern.
Ich wollte auf gar keinen Fall so sein – eine alte Mutter. Allein der Gedanke war mir ein Graus! Die Konsequenz des späten Kinderkriegens konnte nur sein, dass ich genauso verschroben werde wie die verrückte Frau, die mich aufgezogen hat.
Hinzu kommt sicherlich, dass die Familie meiner damaligen besten Freundin, bei der ich sehr viel Zeit verbrachte, ein ganz anderes Bildungsniveau hatte als meine. Während dort mit spätestens dem Realschulabschluss (also mit 16 oder 17 Jahren) die Bildung so gut wie abgeschlossen war, komme ich aus einer Familie mit akademischen Hintergrund, bei der es nach dem Abitur mit der Bildung nochmal so richtig los ging, wodurch es selbstverständlich zu einer Verschiebung des Berufseintritts usw kam.

Heute weiß ich, dass man als Kind die Eltern anderer häufig viel cooler findet als die eigenen. Und heute bin ich sehr froh darüber, dass mein kindlicher Plan nicht in die Tat umgesetzt wurde. Mit 19 habe ich meinen Schulabschluss gemacht, es folgte eine Ausbildung, inzwischen stehe ich am Ende meines Bachelor-Studiums. Da wäre ich sicher nicht, wenn meine trotzige Kinderversion seinen Kopf durchgesetzt hätte.
Wenn das mein zehnjähriges Ich nur wüsste!


























































